
Suchen
Rubriken
- 1:
SpaJobs. - 2:
SpaEvents de. - 3:
SpaEvents en. - 4:
SpaKarriere. - 5:
SpaMusik. - 6:
SpaBücher. - 7:
SpaSchaufenster. - 8:
SpaArchiv. - 9:
SpaMedia. - 10:
Presseinformationen. - 11:
Kontakt.
News
Keine Lieblingskinder der Bankenwelt
Der Hotel- und Gastronomiesektor war noch nie das Lieblingskind der Bankenwelt, die weltweite Finanzkrise hat zu einer deutlich strengeren Prüfung der Vorhaben geführt, auch die Forderung nach Eigenkapital ist gestiegen. Und: Oft hängt die Finanzierung eines Spa-Projektes leider auch noch damit zusammen, ob der Sachbearbeiter der Bank mit dem Thema Wellness oder Spa etwas anfangen kann.

Hildegard Dorn-Petersen: ?Es gibt diverse große Projekte, um die es still geworden ist?

Reinhard Mücke: ?Zurückhaltung der Banken im Finanzierungsbereich hat nichts mit mangelnder Flexibilität zu tun?

Thomas Reisenzahn: ?Die Banken haben in bestehende Finanzierungen- meist Fremdwährungskredite- mit Sonderaufschlägen eingegriffen."
?Es gibt diverse große Projekte, um die es still geworden ist?, bestätigt Hildegard Dorn-Petersen vom Deutschen Wellnessverband im Gespräch mit SPA WORLD Business, dass die Wirtschaftskrise im Bereich der Finanzierung von Spa- und Wellnessprojekten ihre Spuren hinterlassen hat. ?Jeder Investor bzw. Betreiber sollte sich Gedanken machen, wenn er ein Spa plant, dieses auf solide wirtschaftliche Beine zu stellen. Dies beginnt mit einem nachhaltigen, kostensparenden Energiekonzept und geht bis hin zur richtigen Größe (passend zum Haus, nicht überdimensioniert, Wege sparend etc.)?, so die Expertin weiter. Dafür ist laut Dorn-Petersen jedoch fachliches Know-How und hohe Professionalität gefragt. ?Daher sollte man in jedem Fall einen externen Berater/Fachmann hinzuziehen, sowohl für die richtige Planung/Weichenstellung, wie auch für die betriebswirtschaftlichen Prognosen?.
Sonderaufschläge der Banken
Von den gesamten Hotelinvestitionen liegen die Investitionen im Wellnessbereich bei rund 14 Prozent. In den letzten Jahren sind diese Investitionen leicht zurückgegangen, bestätigt auch Thomas Reisenzahn, Generalsekretär der österreichischen Hotelvereinigung. ?Die Banken haben in bestehende Finanzierungen ? meist Fremdwährungskredite ? mit Sonderaufschlägen eingegriffen und die für die Hotellerie sehr guten Zinssätze zunichte gemacht?, meint Reisenzahn. Für das kommende Jahr sieht Reisenzahn keine Besserung, im Gegenteil: ?Aufgrund der negativen Ertragsentwicklung im Sommer 2009 wird es für die österreichische Hotellerie in Zukunft schwieriger werden, Investitionen vorzunehmen. Der traditionell geringe Eigenkapitalanteil wird es auch erschweren, Fremdmittel aufzunehmen?. Zukünftige Investitionen im Wellnessbereich müssen daher laut Reisenzahn noch besser vorbereitet sein als bisher und mit klaren Konzepten in den Bereichen Zahlenmaterial, Mitarbeiterplanung, Wellness-Strategie und Positionierung dokumentiert werden. ?Dies werden die Banken in Zukunft mehr verlangen?, so Reisenzahn.
Keine Frage der Flexibiltät
Dass die Banken weniger flexibel sind, lässt Reinhard Mücke, Generaldirektor der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank (ÖHT), nicht gelten. ?Zurückhaltung der Banken im Finanzierungsbereich hat nichts mit mangelnder Flexibilität zu tun. Tatsache ist, dass vermehrt auf entsprechende Sicherheiten Wert gelegt wird und Wert gelegt werden muss. Und dies sowohl im dynamischen als auch im statischen Bereich (= Ertragswert + Substanzwert). Gute Betriebe haben auch heute kein Problem, entsprechende Finanzierungen aufzustellen?, entgegnet Mücke. Dennoch ortet Mücke eine gewisse Zurückhaltung bei großen Projekten. ?Ob dies unmittelbar mit der Finanzierung zu tun hat, lässt sich nicht mit Sicherheit feststellen. Zweifellos ergibt sich auch ein Abwarten in Bezug zur laufenden Konjunktur. Bei Projekten ? nicht nur auf Wellness bezogen ? bis zu einer Mio. Euro stellen wir Zuwächse fest?.
Exakte Vorbereitung
Mücke rät Betrieben, die um eine Finanzierung ansuchen, diese exakt vorzubereiten. Mücke: ?Generell müssen Projekte exakt vorbereitet sein und über eine erforderliche 'Kostensicherheit' verfügen. Banken begnügen sich nicht mit groben Kostenschätzungen, um unfinanzierbare Kostenüberschreitungen möglichst zu vermeiden. Dasselbe gilt für Finanzierunspläne. Bei Baubeginn muss die Finanzierung vorliegen?. Wurden Wellnessanlagen bisher mehr oder weniger "aus dem Bauch heraus" geplant und umgesetzt, so ist jetzt mehr Bedarfsorientierung gegeben. ?D.h. die Anlagen entsprechen den Bedürfnissen der jeweiligen Betriebe und ihrer Gäste und stellen auch einen vernünftigen Bezug zum erzielbaren Preis her?.
Strengere Prüfung auch in Deutschland
Die strengere Prüfung von Projekten ist ein Trend, der auch in Deutschland zu spüren ist. ?Hotellerie & Gastronomie waren noch nie die Lieblingskinder der Bankenwelt. Die weltweite Finanzkrise hat zu einer deutlich strengeren Prüfung der Vorhaben geführt. Auch die Forderung nach dem Eigenkapitalanteil ist gestiegen; waren es früher in der Regel 15 Prozent, sprechen wir heute von 30 Prozent oder mehr. Zusätzlich hängt es immer davon ab, ob gerade bei kleinen Instituten die Sachbearbeiter mit dem Thema Wellness oder Spa etwas anfangen können. Ich hatte soetwas schon vor 4 Jahren in der Mecklenburgischen Schweiz: da fand die Sachbearbeiterin Wellness 'doof' und aus die Maus für ein durchaus interessantes Erweiterungs-Projekt?, so Dorn-Petersen.
Besserung in Sicht?
Für Dorn-Petersen sind die Anbieter im deutschsprachigen Raum aus der Krise mit einem blauen Auge herausgegangen. ?Die Marktforscher der GfK prognostizieren für den deutschsprachigen Raum Rückgänge. Die Märkte in den USA und in Asien hat es da deutlich mehr getroffen, so manches Spa-Resort in Thailand hatte im Frühjahr 2009 eine Auslastung von weniger als 20 Prozent und hat das Spa-Personal ohne Bezüge freigestellt?, stellt die Expertin fest.
Harte Probe für Hotels
Für Reisenzahn reicht der jetzt erzielte Preis im Wellnessbereich meistens nicht mehr aus, um das Niveau der Steigerungen auf der Aufwandsseite auszugleichen. ?Dies führt dazu, dass seit der Sommersaison 2009 die Wellnessabteilungen oft nur noch verlustbringende Mitläufer in den Gesamtkonzepten vieler Hotels sind. Reisenzahn: ?Bei weiterhin schlechter werdenden Rahmenbedingungen in der Preisdurchsetzung wird sich das Ergebnis noch weiter verschlechtern und einige Hoteliers werden auf eine harte Probe gestellt?. Zwar wurde die Saisonverlängerung durch Wellnesseinrichtungen stark gefördert, das Anlagevermögen und das Fremdkapital pro Bett haben in den vergangenen Jahren jedoch nicht zuletzt aufgrund der Investitionen im Wellnessbereich deutlich zugenommen. ?Es wurde in der Hochblüte der Wellnessbewegung oft mehr investiert als abgeschrieben und weniger Fremdkapital amortisiert?, bringt es Reisenzahn auf den Punkt.
Hohes Niveau fordert Investitionen
Für Mücke stellt sich jedoch die Frage ?Investieren ja oder nein? nicht. ?Die österreichische Tourismuswirtschaft befindet sich in Hard- und Software auf hohem Niveau. D.h. die Stabilisierung der Qualität erfordert jährlich hohe Investitionen. Will man weiter erfolgreich sein, sind Investitionen Voraussetzung für ein erfolgreiches agieren im Markt?, so Mücke abschließend.
FÖRDERUNGEN 2008
Folgende Zahlen skizzieren das Jahr 2008 im Bereich der Tourismus- und Freizeitwirtschaft:
- 976 Förderungsfälle mit einem bundesseitigen Förderbarwert von EUR 30,8 Mio. wurden positiv erledigt. Bei mehr als 99 % der Förderungsempfänger handelt es sich um KMUs.
- 132 Unternehmensgründer konnten unterstützt werden. Sie haben Investitionsvorhaben im Umfang von mehr als EUR 30 Mio. umgesetzt.
- Das bereitgestellte Kreditvolumen beträgt rund EUR 200 Mio. Das gesamte geförderte Investitionsvolumen beläuft sich auf rund EUR 750 Mio.
- Hotelunternehmen mit rund 75.000 Betten wurden im Hard- bzw. Software-Bereich qualitativ verbessert. Das sind rund 12 % des gesamten gewerblichen Bettenangebotes Österreichs.
- Alle unterstützten Unternehmen werden nach Durchführung der geplanten Maßnahmen rund EUR 1,8 Mrd. an Umsatz erzielen und 22.000 Mitarbeiter beschäftigen. Sie werden damit rund 13 % der unselbständig Beschäftigten des Beherbergungs- und Gaststättenwesens anstellen.
- Der Mitteleinsatz auf Bundesebene betrug (Subventionsäquivalent bzw. Förderbarwert) EUR 30,8 Mio. oder rund 0,18 % der direkten Wertschöpfung des Tourismus (lt. TSA, Prognose für 2007).
- Durch die auf Basis der Bundesrichtlinien vereinbarten Aktionen wurde gemeinsam mit den Ländern und der EU ein gesamtes Subventionsäquivalent von EUR 46 Mio. bereitgestellt.
- Bei der Verteilung der Förderbarwerte nach Bundesländern liegt Tirol als tourismusintensivstes Bundesland vorne und kann rund 29 % der Förderleistung des Bundes auf sich beziehen. Das Bundesland Salzburg folgt mit einem Anteil von 23 % und liegt daher deutlich vor den anderen Bundesländern.
- Bezieht man die Förderungen des Bundes auf die in den einzelnen Bundesländern erzielten Nächtigungen (bezogen auf 1.000 Einheiten, siehe folgende Abbildung), so relativiert sich das Bild deutlich. Das Bundesland Oberösterreich, das einen vergleichsweise geringen Nächtigungsanteil hat, aber dank eines ländereigenen Programms gemeinsam mit dem Bund eine starke Investitionstätigkeit auslöst, liegt vorne, während etwa Tirol deutlich zurückfällt. Gerade die Verstärkung der Bundesförderungen durch die Länder hat in der Vergangenheit zu einer deutlichen Zunahme der Investitionen geführt und damit gezeigt, dass durch kombinierte Unterstützung von Bund und Land beträchtliche Investitionen ausgelöst werden können.
INVESTITIONEN 2008
Ähnlich wie im Vorjahr konnte 2008 ein gefördertes Gesamtinvestitionsvolumen von rund 750 Mio. Euro erreicht werden. Der Mitteleinsatz des Bundes ist im Durchschnitt mit einem Barwert von 4 Prozent des Investitionsvolumens vergleichsweise gering. Dieser beträgt bei ERP-kreditfinanzierten Vorhaben etwa 9 % und bei TOP-kreditfinanzierten Vorhaben 3 % der Investitionen. Bei den Fällen, die im Rahmen des TOP-Zuschuss- oder Jungunternehmer-Programms unterstützt werden, macht der Förderbarwert des Bundes etwa 4 % aus. Bei den mit insgesamt knapp 200 Mio. Euro an günstigen Kreditmitteln finanzierten Investitionen liegt der Schwerpunkt eindeutig bei der Hotellerie, die rund 80 % des Volumens in Anspruch nimmt. Die Ziele ?Betriebsgrößenoptimierung? gefolgt von ?Qualitätsverbesserung? und ?Schaffung von Wellnesseinrichtungen? spielen dabei die wichtigste Rolle.
Factbox: Aus dem Tätigkeitsbericht der ÖHT 2008:
Die Österreichische Hotel- und Tourismusbank Gesellschaft m.b.H. (ÖHT) wickelt im Auftrag des Wirtschaftsministeriums die Tourismusförderungen des Bundes ab. Die für die Periode 2007 - 2013 neu gefassten Richtlinien bieten gerade für kleine Unternehmen in vielen Fällen den entscheidenden Förderungshebel, um wünschenswerte Projekte verwirklichen zu können.
Die Tourismus- und Freizeitwirtschaft ist ein äußerst dynamischer Wirtschaftszweig, von dem auch 2008 durch eine starke Investitionstätigkeit positive Impulse für die gesamte Volkswirtschaft ausgegangen sind. Mit einem unterstützten Investitionsvolumen von rund EUR 750 Mio. lieferte die Tourismusförderung wichtige Anreize für eine zielgerichtete Veränderung der Unternehmen in Richtung verbesserter Wettbewerbsfähigkeit und belebt damit vor- und nachgelagerte Wirtschaftszweige.
Die ausgelösten Investitionen kommen vor allem der Hotellerie und Gastronomie ? in der Folge natürlich auch dem Bau- und Baunebengewerbe in der unmittelbaren Umgebung ? zugute. In Zukunft wird sich den Prognosen der Wirtschaftsforscher zufolge auch die Freizeitwirtschaft mit einer Fülle von neuen Berufen dynamisch weiterentwickeln. Die Unterstützung auf dem Weg in die Selbständigkeit und der Gründung neuer Unternehmenstypen wird zur Bereicherung des Standortes Österreich beitragen. Aus diesem Grund wurde auch die Jungunternehmerförderung ab dem Jahr 2007 in einer eigenen Richtlinie geregelt. Ergänzend zu den bestehenden Maßnahmen wurde mit dem sogenannten ?Startkapital? eine neue Finanzierungsmöglichkeit für Jungunternehmer geschaffen.
SPA WORLD Business, Ausgabe 6/2009
