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Burnout und die heiße Emotion der Gier

Wie ist die Sicht der Chinesischen Medizin (TCM) dazu.

Primär handelt es sich bei diesem Thema um eine aussergewöhnliche Disharmonie zwischen Yin und Yang. Diese Disharmonie startet entweder durch Stress von außen oder Stress von innen.

Dr. Thomas Gefaell: "Beim Burnout wurde ich unter andrem an Infuse oder Tinkturen denken, die folgende Kräuter beinhalten: Kuchenschelle- Johanniskraut- Lavendel- Melisse- Weinraute- Goldrute- Wermut- Salbei- Minze- Stiefmutterchen- Hopfen- Baldrian- Eisenkraut, etc..."

Stress von außen kann zum Beispiel sein: Trauma, Infektion, plötzliche Arbeitslosigkeit, partnerschaftliche Probleme, Kriegsgeschehen, usw?
Stress von innen würden die Chinesen als fehlgeleitete Emotionen bezeichnen, zum Beispiel: irreale Angst, Gier nach mehr, Zorn, Frust, Eifersucht, Neid, Minderwertigkeitsgefühl,?.
Das Außergewöhnliche am Burnout ist die Tatsache, dass es sich verändern und vielerlei Gestalt annehmen kann. Das heißt, es tendiert zur Verschlimmerung in alle möglichen Richtungen ? vorwiegend psychosomatischer Natur ? kann aber in den Anfangsstadien selbst erkannt und verändert werden, ab einem fortgeschrittenen Stadium wird es nur noch von Angehörigen, Freunden oder medizinischem Personal wahrgenommen. Wird Burnout jedenfalls rechtzeitig erkannt, kann man diese Yin/Yang Disharmonie relativ rasch in den Griff bekommen und heilen. Die Ansätze dazu beschreibe ich später.
Anfang der 70er Jahre des letzen Jahrhunderts hat der New Yorker Psychiater Freudenberger seine Wahrnehmungen bezüglich stressgeplagter Manager dokumentiert und mit seinem ersten Aufsatz über ?Burnout ? eine neue Managererkrankung? dokumentiert.
Er beschreibt darin folgende Entwicklungsstadien :

 

Stadium

Verhalten

hauptsächl. TCM - Muster

1.Der Zwang, sich zu beweisen

Gier: Ich Will

aufsteigendes Yang, Herz -Feuer

2.Verstärktes Zwangsgefühl

Ich will noch mehr, innere Rastlosigkeit

Nieren ? Angst/ Herz - Feuer

3.Subtile Vernachlässigung der eigenen Gefühle

psychische Flaute, Schlafstörungen

beginnende Qi- Stagnation, Auftreten von Leberwind

4.Verdrängung von Konflikten und Bedürfnissen

erstes Auftreten von Fehlleistungen u. Schwäche

Qi - Mangel

5.Umdeutung von Werten

abgestumpfte Wahrnehmung

trüber, müder Shen

6.Verleugnung auftretender Probleme

erstes Auftreten von Leistungseinbussen

Qi- und Blutmangel

7.Endgültiger Rückzug

Ersatzbefriedigungen wie z.B. Drogen, Sexualität etc.

Deutl. Zeichen von Yin- Mangel

8.Verhaltensveränderungen

Auftreten paranoider Züge

Leere ? Hitze/ Schleim

9.Verlust des Gefühls für die eigene Persönlichkeit

?Abschotung? nach außen

Shendissoziation

10.Innere Leere

teilw. Panikattacken und Phobien

Zunehmendes Kältegefühl (psychisch/physisch) Yang ?Mangel bzw. oben warm unten kalt; Herz Feuer/NierenYang Mangel

11.Vollbild der Depression, Erschöpfung

Auftreten von Suizidgedanken

kombinierte pathologische Symptome

12.Völlige Burn-Out-Erschöpfung

Manifestation physischer Erkrankung

Komplette Yin/Yang Disharmonie

 
Chinesische Pathophysiologie

In dieser Tabelle werden Symptome aus der medizinischen Psychologie mit Chinesischen Syndrommustern gekoppelt, was in der täglichen Heilarbeit durchwegs praktikabel ist!
Um der Sichtweise der Chinesischen Medizin noch etwas näher zu kommen, will ich hier kurz die ?Chinesische Pathophysiologie? zu diesem Thema einfügen.
Meines Erachtens beginnt die Disharmoniespirale des Burnout im Herzen! Die Hauptemotion des Herzens ist die freudige, bedingungslose Liebe. Die fehlgeleitete Emotion dazu heißt Gier! Sie lässt sich mit kurzen Worten beschreiben: ich will ? ich will mehr! Nun, das Herz ist in der Daoistischen Philosphie der Chef aller Organe und somit mit allen Anderen energetisch intensiv verbunden. Wird also die Harmonie des Herzens durch die ?heiße? Emotion Gier verletzt, so leitet sich diese Hitze ( alle fehlgeleiteten Emotionen haben letztlich Hitzeenergie ) mittels einer expliziten Energieverbindung zwischen Herz und Nieren ( Shaoyin Achse) auf die Nieren weiter. Die Nieren repräsentieren das Wasser in unserem Organismus, welches durch das pathologisch absteigende Herzfeuer verdampft wird! Wir trocknen also vom Kern unseres Seins her aus. Emotional gesehen beherbergen die Nieren den Lebens- oder Überlebenswillen. Werden sie verletzt und geschwächt, entsteht daraus die fehlgeleitete Emotion Angst! Angst tötet Liebe! Und das krankhafte Wollen des Herzens frisst den Willen zum Leben?
Wenn wir noch mal auf Freudenbergers Phase1 blicken, so finden wir hier den Zwang, sich zu beweisen, modern ausgedrückt: ? pimp my ego?. Und daraus entsteht dann eine Kaskade von Harmonieentgleisungen sowohl körperlicher als auch mentaler Natur.

Was also tun?
Wieder bestätigt sich der alte Spruch: ?für jedes Leid ist ein Kräutlein gewachsen?. Und das muss nicht einmal ein Chinesisches Heilkraut sein. Auch unsere Heimischen Heilkräuter sind durchwegs imstande, Disharmonien jeder Form zu behandeln. Beim Burnout würde ich unter anderem an Infuse oder Tinkturen denken, die folgende Kräuter beinhalten: Küchenschelle ? Johanniskraut ? Lavendel ? Melisse ? Weinraute ? Goldrute ? Wermut ? Salbei ? Minze ? Stiefmütterchen ? Hopfen ? Baldrian ? Eisenkraut, etc??
Ein talentierter Arzt wird die jeweiligen Kräuterkombinationen und Dosierungen für jedwede Energiedisbalancen finden.
Weiters muss man auch an eine biologische, dem jeweiligen Patiententypen angepasste Ernährung denken, z.B. Getreidebrei morgens, Suppe abends, wenig Milchprodukte! Das jeweilige Ernährungsschema sollte von einer Expertin ausgearbeitet werden.
Bewegung ist extrem wichtig: Lange, meditative Spaziergänge, QiGong, TaiJi, Fahrradfahren. Alles, was nicht Leistungssport ist und trotzdem ausreichend Qi und Blut bewegt! In Einzelfällen können auch Akupunktursitzungen segensreich wirken.
Last but not least empfehle ich im Rahmen eines Lifestylecoachings das Überdenken des eigenen Lebens. Was waren die Fehler, die mich dermaßen aus einem gesunden, kreativen Leben herauskatapultiert haben? Was kann ich ändern? Wo finde ich Hilfe? Nehme ich mir Zeit für mich selbst? Respektiere ich mich selbst? uvm. ...
Damit verbunden ist jedenfalls ein Dauerbrenner zum Thema Heilung: Meditation! Mit geschlossenen Augen still sitzen, Gedanken nicht aufgreifen, sondern ziehen lassen, auf die Atmung konzentrieren. Anfangs vielleicht 20 Minuten täglich, nach 3 Wochen vielleicht schon mühelos eine dreiviertel Stunde.
Eine traurige Wahrheit müssen wir abschliessend jedoch akzeptieren. Burnout greift pandemisch am gesamten Globus um sich! Eine Kombination aus politischen, wirtschaftlichen, sozialen und bewusstseinsmäßigen Missständen erleichtert diesem Erkrankungsbild seine sprunghafte Ausbreitung. Der Einzelne zählt heute kaum mehr. Menschen sind ersetzbar und werden entsprechend ?verheizt?. Und deshalb wäre es so wichtig, wenn jeder Mensch sein Leben selbstverantwortungsvoll in die Hände nimmt?
Aber ich weiss, das ist in der heutigen Zeit sehr schwierig und oft auch gar nicht erwünscht?.
Dr. Thomas Gefaell ist Praktischer und TCM-Arzt in der Südsteiermark. Er ist lernend und lehrend mit der Chinesischen Medizin seit 1979 verbunden und arbeitet an der Erforschung des Burnout seit 1995. Sein Hauptthema seit 2005 ist die Arbeit mit Heimischen Heilkräutern! Er bietet in regelmäßigen Abständen "Burnout - Erholungsseminare" in der Südsteiermark an mehr unter www.shenmen.org

SPA WORLD Business, Ausgabe 4/2009

10.10.2009 08:30 Alter: 335 Tage