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Was essen wir in Zukunft?

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass sich das Ernährungsverhalten vieler Menschen an dem orientiert, was gerade angesagt ist. Es gab den Trend zur Trennkost, man hört von den Rohkostlern und derzeit ist die Metabolic-Balance in aller Munde. Trends dienen dazu, um verkauft zu werden und um Geld zu verdienen.

Axel Dinse

Bedeutende Faktoren der Zukunft sind Genuss und Zeit!

Gute Ernährung kann sich zwar durchaus an solchen Trends orientieren, Individualität muss aber in jedem Fall Rechnung getragen werden. Jeder Mensch ist anders, so benötigt auch jeder Körper andere Nahrungszufuhr, um gesund leben zu können. SPA WORLD BUSINESS hat mit zwei Experten gesprochen, welche Faktoren in Zukunft wichtig werden, um sich ausbalanciert und gesund zu ernähren.

Nahrung ist Lebensenergie
Der bedeutendste Aspekt, so stimmen Birgit Meerwald, Betreiberin des Zentrums für Entschleunigung ?Das Meerwald?, und Mag. Axel Dinse, Ernährungswissenschaftler, überein, ist dem Essen in seiner Bedeutung als Nahrung wieder einen Stellenwert zu geben. Primär ist Nahrung Energiezufuhr für den Körper, aber auch für die Seele. Je wertvoller die Bestandteile sind, desto besser wirkt sich die Nahrungsaufnahme auf den gesamten Organismus aus.
Genuss ist in diesen Bereich durchaus mit einzubeziehen. Meerwald meint, unsere Lebensgewohnheiten hätten uns davon abgebracht unser Essen zu genießen. Der Snack in der Pause, das Essen vor dem Fernseher oder der Tageszeitung. Diese Ablenkungen sind dafür verantwortlich, dass wir zB zuviel zu uns nehmen, der Körper ist dadurch überlastet und verbraucht die aufgenommene Energie zum Verdauen.
Das hat alles mit Genuss nichts zu tun. Dabei haben wir, so Meerwald, über den Genuss die Möglichkeit wieder zu lernen, was unserem Körper gut tut und welche Ernährungsbedürfnisse er hat. Diese seien verlorengegangen, bekräftigt auch Dinse, die Menschen wollen die Verantwortung dafür, was gesunde Ernährung ist, gerne abgeben. Sie verlangen nach fertigen Ernährungsrezepten, die einem Körpererleben entgegenwirken.

BIO ? gesund, sozial und ökologisch
Fertigprodukte, so Dinse, bedienen den Markt, indem sie ideal unseren schnellen Lebensstil unterstützen. Sie lassen sich rasch ? auch in der kurzen Mittagspause ? zubereiten und man muss keine Gedanken darüber verschwenden, welche Zutaten für ein Gericht überhaupt notwendig sind. Die Bestandteile von Fertigprodukten setzen sich leider sehr oft aus ungesunden Zugaben wie etwa Konservierungsstoffen und künstlichen Aromen zusammen, die bei Verzehr über längere Zeitdauer dem Körper schaden können.
Biologische Ernährung ist die Alternative. Und bio ist mittlerweile leistbar. So erklärt Dinse, dass trotz seiner persönlichen Vorliebe für Bioläden, die Biolinien der Supermärkte durchaus mit der Qualität mithalten können. Gerade in Österreich werden strenge Kontrollen darauf angesetzt, ob etwas als Biolebensmittel ausgezeichnet werden darf oder nicht. Diese Produktlinien in normalen Supermärkten sind auch vom ökologischen Standpunkt aus zu favorisieren. Sie entstammen meist aus der Region oder zumindest aus Österreich und setzen so gegen die Co2-Produktion, die durch kürzere Transportwege vermindert werden kann.
Die Regionalität ist auch ein Faktor den Meerwald betont. Ausgewogenes Essen kann besonders in Österreich aus rein regionalen Produkten bestehen. Vor allem Waldviertler Biobauern gehen wieder zurück zu alten Anbauformen, zB einer Vierfelderwirtschaft, in der das Land zum Regenerieren auch wieder brach liegen darf, oder dem vermehrten Anbau von alten Getreidesorten, die nicht nur Einjahresgetreide sind und somit den Boden auch weniger auslaugen.

Altes und Neues
Sofern jemand Ernährungsberatung in Anspruch nehmen will, sollte sich, so Dinse,  genauer ansehen, wer dahinter steht. Heute werden Ernährungskonzepte ohne kompetente Menschen im Hintergrund schnell verkauft. Die Kompetenz des Beraters zeige sich daran, dass er Kenntnisse über die wissenschaftlichen Zugänge zur Ernährung habe, sich aber auch gut mit altem Ernährungswissen ? zB der Viersäftelehre des Hippokrates oder der TCM-Ernährung - auskennt. Konstitutionsbestimmung sollte in jede Ernährungsberatung einfließen, individuellen Bedürfnissen muss Rechnung getragen werden.
Diese Kombination aus Altem und Neuem wird auch von Meerwald unterstützt. Sie arbeitet gerade an einer Rezeptesammlung aus alten Kochbüchern. Unsere Grosseltern-Generation und auch deren Eltern wussten, was gut ist. So war in früheren Zeiten ein warmes Frühstück durchaus an der Tagesordnung, ein ?Trend? der durch die TCM wieder zurückkommt. Ein warmer Bauch ist ein guter Start in den Tag. Dieses Kochen nach alten Rezepten unterstützt auch wiederum die Bio-Landwirtschaft, denn dort finden sich natürlich auch viele Gemüse- und Getreidesorten, die heute in der normalen Landwirtschaft nicht mehr angebaut werden. Hier besteht die Möglichkeit wieder zu einer ernährungstechnischen Vielfalt zurückzukehren.

Die Frage nach den Nährstoffen
Viele Ernährungsexperten sind auch der Meinung, dass der Raubbau an der Natur Grund dafür ist, dass viele unserer Nahrungsmittel nicht mehr ausreichend Nährstoffe enthalten und so empfehlen, zu Ergänzungsmitteln zu greifen. Meerwald rät hier zur Vorsicht und zur Einsicht. Als Kinesiologin mit Fokus auf Ernährungsfragen, Allergien und Unverträglichkeiten hat sie viel mit solchen Nahrungsergänzungen zu tun und steht ihrem Einsatz auch positiv gegenüber. Grundsätzlich denkt sie aber, sei viel Werbebotschaft aus diesen Empfehlungen herauszulesen.
Gesunde Menschen, die in ihrer Lebensgeschichte auch wenig Raubbau an ihrem Körper betrieben haben, zeigen bei Vitalfeldmessungen, dass sie mit herkömmlicher Ernährung ausreichend auftanken. Hier können solche Ergänzungen kurartig oder in speziellen Problemfällen eingenommen werden. Liegen Krankheiten vor oder wurde über längere Zeit ein ungesunder Lebenswandel gepflegt, so empfiehlt Meerwald, sich das genauer ansehen zu lassen. Schäden im Verdauungsapparat mit allen seinen zuspielenden Organen können die Nährstoffaufnahme alleine aus Lebensmitteln nicht mehr bewerkstelligen, wodurch eine Höherdosierung durch Ergänzungsmitteln in Abstimmung mit dem Arzt durchaus anzuraten ist.

Das Fazit
Im Grunde ist es einfach. Zeit für Essen, anstatt Pausenfüllern; den Genuss wieder pflegen und die Zeitung beiseite legen. Spüren lernen, wonach der Körper hungert. Gesunde Lebensmittel aus regionaler Bio-Landwirtschaft. Und etwas Wissenschaft, was denn der Körper eigentlich so braucht. Trends wird es immer geben, ihnen nicht zu folgen könnte ein (Neben-)Trend der Zukunft werden!
Mag. Axel Dinse ist Ernährungswissenschaftler und Yogalehrer. www.yogawerkstatt.at

Birgit Meerwald ist dipl. Lebens- und Sozialberaterin und Integrative Kinesiologin.
www.dasmeerwald.at

SPA WORLD Business, Ausgabe 6/2009

11.01.2010 10:00 Alter: 240 Tage