Sie sind hier: SPA World Online / Hauptrubriken / Newsdetails

News

Saubere Lösungen für heikle Nassbereiche

Pool ist nicht gleich Pool. Unterschiedliche Anforderungen verlangen nach einer individuellen Auseinandersetzung mit den Problematiken und Herausforderungen der einzelnen Becken.

Dr. Kurt Kaufmann: "Wir haben eine groß angelegte Studie über die Wasserqualität in Auftrag gegeben."

Ein Schwimmbecken alleine genügt heute eigentlich nicht mehr. Der Bade- und Kurgast will im Spa eine Variation von Attraktionen wie Whirlpool, Außenbecken oder Tauchbecken. Auch für die kleinsten Gäste müssen inzwischen eigene Becken zur Verfügung stehen. Diese Spezialpools sind im täglichen Betrieb allerdings besonders sensible Zonen – durch erhöhte Wassertemperatur, Fremdkörpereintragung oder eine überdurchschnittlich hohe Anzahl an Badegästen. Im Rahmen der nicht unumstrittenen Studie über Wasserverunreinigung in Wellnessbetrieben (Spa World Business berichtete) war von Problemen bei diesen Spezialbecken die Rede. In der täglichen Praxis finden sich tatsächlich Anlagen mit besonderen Anforderungen an den Betrieb:

Spezial-Pools
 Freibecken
leiden oft unter den Eintragungen durch Schmutz wie Blätter und Gräser, die teils vom Wetter, teils von nicht sorgfältig geduschten Badegästen ins Wasser gebracht werden. Deshalb fordert der Gesetzgeber auch einen höheren Chlorgehalt für Outdoor-Pools (max. 2,0 mg gegenüber max. 1,2 mg bei Hallenbädern). Führt ein Becken vom Freien in die Halle, ergibt sich die Gefahr, dass Fremdgut durch den Badegast auch in das Indoorbecken gerät.

 Tauchbecken sind für Keime besonders anfällig, da sie den Badegästen für eine Abkühlung direkt nach dem Sauna- oder Dampfbadgang zur Verfügung stehen. Bedingt durch die baulichen Vorgaben laut Bäderhygieneverordnung (einer Beckenoberfläche von höchstens 4 m2 und einer Wassertiefe von mindestens 0,8 m und höchstens 1,35 m) enthalten diese höchstens 20°C warmen Becken relativ wenig Wasser. Für diese Pools verlangt der Gesetzgeber einen Mindestchlorgehalt von 0,6 mg/l.

 Bei Kinderbecken sehen Experten folgende Herausforderungen: Gerade Kleinkinder können unfreiwillig ins Wasser urinieren. Außerdem nehmen die Kleinen in der Regel Schwimmhilfen oder Spielzeug ungereinigt mit in den Pool. Sehr oft tummeln sich auch sehr viele Kinder auf sehr engem Raum. Durch diese Faktoren erhöht sich die Belastungsmöglichkeit dieser Zone, der man aber mit einer höheren Durchspülung entgegenwirken kann. Laut Bäderhygieneverordnung BHygV darf eine dreimalige Umwälzung des gesamten Beckeninhalts pro Stunde nicht unterschritten werden.

 Whirlpools können bei unsachgemäßer Wartung zu Problembecken werden. Gründe dafür sind die geringe Wassermenge und eine sehr hohe Besucherfrequenz. Auch die Wasserbewegung macht das Becken anfällig. „Durch Sprudel, Düsen und Wasserfälle wird der pH- Wert instabil, und eine hohe Chlorzehrung ist gegeben“, sagt Prof. Dr. Franz Mascher vom Hygieneinstitut der Meduni Graz. Die Messungen der Wasserqualität müssen bei diesen Becken besonders gründlich durchgeführt werden. Um dem Chlorverlust entgegenzuwirken sieht der Gesetzgeber eine erhöhte Menge an freiem Chlor im Wasser eines solchen Pools vor. So soll sie in den so genannten Warmsprudelbeckenbädern mindestens 0,6 mg/l betragen (gegenüber mindestens 0,3 mg/l in Hallenbädern und künstlichen Freibädern). Auch die Zufuhr von Frischwasser und die Wasseraustauschrate allgemein sind höher als bei normalen Schwimmbecken.

„Beachtet der Betreiber sämtliche baulichen und betrieblichen Auflagen, ist ein Whirlpool genau so sicher wie ein reguläres Becken“, sagt DI Gerold Sigl vom der hydrologischen Untersuchungsstelle Salzburg. „Kippt das Wasser allerdings, vermehren sich im warmen Wasser die Bakterien ungleich  schneller!“

Für Pools mit besonderen Attraktionen (Gegenstromanlage, Bodensprudler, Wasserfall, Unterwassermassageliege oder - bank)  schreibt das Bäderhygienegesetz außerdem einen erhöhten Förderstrom-Zuschlag vor.

 Bei Thermalwasser gilt es zu unterscheiden, ob es sich um Warmwasser oder Heilwasser handelt. Prinzipiell gilt: Wird mit dem Heilwasser ein (Swimming)pool befüllt, den mehr als eine Person benützt, muss das Wasser aufbereitet werden. Dabei gehen den Experten zufolge auch die Inhaltsstoffe nicht verloren. Bei Heilbehandlungen in Einzelwannen wird das Wasser sehr oft direkt aus der Quelle verwendet. Dabei muss für jeden Kurgast frisches Wasser zur Verfügung stehen.

Gefahren außerhalb der Becken
Auf eine andere Problematik weist Mag. Gernot Deutsch, Direktor der Therme Bad Waltersdorf hin. „Je länger die Leitungen zum Pool, desto größer die Anfälligkeit für Probleme. Gerade Whirlpools und Whirlwannen haben oft Zuleitungen, die 50 Meter oder länger sind. Das kann bei unregelmäßigem Betrieb zu stehendem Wasser führen, in dem sich Keime und Schadstoffe bilden können. Um das zu verhindern, müssen die Rohre ständig mit Wasser umspült und desinfiziert werden. Das ist auch der Vorteil von einem großen Betrieb wie unserem, der keine Ruhetage kennt. Der ständige Betrieb garantiert, dass das Wasser nicht in den Rohren und Becken steht.“

Auch die Filter bieten bei unsachgemäßer Behandlung eine potentielle Gefahrenquelle. Bei nicht vorschriftsmäßiger Behandlung und Reinigung besteht die Möglichkeit, dass Krankheitskeime wie Legionellen die Filteranlagen befallen. Mit einer akribischen Einhaltung der Rückspülintervalle und der vorgeschriebenen Wartung der Filter lässt sich dieses Problem in den meisten Fällen verhindern.

Hotels versus Thermen
Experten weisen darauf hin, dass man nicht nur zwischen Pools mit verschiedenen Anforderungen unterscheiden muss. Auch die Art des Wellnessbetriebs selbst kann einen Hinweis auf potentielle Problemquellen bieten. Die großen Thermen mit ihrem Ganzjahresbetrieb und ihrem geschulten Personal seien da am wenigsten betroffen. „Heikel kann es bei Hotels werden. Deren Hauptaufgabe ist die Beherbergung von Gästen, der Pool und Wellnessbereich ist oft nur eine Nebenattraktion“, so Hygieneexperte Dr. Mascher. „Während die bekannten Thermalbetriebe hauptberufliche Techniker haben, übernimmt in Hotels das Personal die Poolwartung oft nur als Nebenaufgabe. Ist die entsprechende Schulung nicht vorhanden, können Probleme nicht adäquat behandelt werden.“ Doch auch den Boom an neuen Wellnessformen macht der Experte für eventuell auftretende Fehlbedienungen verantwortlich. „Der Wellnessboom ist wunderbar für den Gast, aber der Gesetzgeber hat natürlich Schwierigkeiten, bei immer neuen Formen und Bäderarten mitzuhalten. “

Bäderhygienevorschriften
Will man sich als Poolbetreiber über die bestehende Gesetzeslage informieren, empfehlen sich die Seiten des Hygieneinstitutes der Meduni Graz und  des Fachverbandes für Bäder. Beide Institutionen stellen auf ihren Homepages hilfreiche Downloads mit den wichtigsten Infos über pH-Werte, Chlormengen und bakteriologische Bestimmungen kostenfrei zur Verfügung (siehe Kasten). Die elektronische Broschüre des Fachverbandes soll den Mitgliedern Antworten auf die gängigsten Fragen bieten. Man empfiehlt in der Broschüre zusätzlich den Einsatz von ausreichend geschultem, qualifiziertem Personal und ein jährliches Service durch eine entsprechende Fachfirma. Allerdings verlässt sich der Verband nicht nur auf die Empfehlungen an seine Mitglieder. Nach den Diskussionen im Herbst hat man eine eigene Überprüfung des Status quo eingeleitet.

Neue Studie in Auftrag
„Ich möchte im Moment noch nicht von einzelnen Problempools sprechen“, sagt Dr. Kurt Kaufmann, Geschäftsführer des Fachverbandes der Bäder der Wirtschaftskammer Österreich gegenüber Spa World Business. „Wir haben eine groß angelegte Studie in Auftrag gegeben, die Ergebnisse sind aber nicht vor Sommer zu erwarten. Diese soll eine Übersicht über den häufigsten Typ der Beanstandungen liefern.“ Bei dieser Studie legt man  Wert darauf, dass die Wasserqualität in den Anlagen über einen längeren Zeitraum gemessen wird. „Seriöse Ergebnisse bekommt man nur im Rahmen einer Zeitreihe. Momentaufnahmen lassen nicht genug Rückschlüsse auf die tatsächliche Wasserqualität zu.“

Der Verbandschef weist beim Interview auch auf eine neue, viel versprechende Technologie zur Wasserreinigung hin. Die so genannte Nano- oder Ultrafiltration läuft seit einiger Zeit sowohl in Norwegen als auch in Deutschland im Probebetrieb. Geht es nach dem Fachverband für Bäder, soll die Methode bald auch in Österreich getestet werden. Aufgrund des strengen Bädergesetzes braucht man für den Probebetrieb allerdings die Genehmigung des Gesundheitsministeriums, und die ist bis jetzt ausständig. „Wir haben schon vor einiger Zeit für Probebetrieb interveniert“, so Dr. Kaufmann, „aber von den verantwortlichen Stellen ist noch keine Zusage erfolgt.“ Generell sehe die neue Technologie durchaus viel versprechend aus. „Es könnte eine sehr elegante Lösung sein, über die Nebenwirkungen ist allerdings noch zu wenig bekannt.“

Natur und Chemie in einer Anlage
Verfügt man als Betreiber allerdings über Ressourcen, Wissen und Personal, kann man sich auf dem Gebiet der Spezialpools an Herausforderungen wagen.  Gleich zwei heikle Bereiche kombinierten Mag. Gernot Deutsch und sein Team bei ihrem einzigartigen Pool-in-Pool-Konzept in Bad Waltersdorf. Inmitten des Naturbadeteichs der Quelloase, die exklusiv den Hotelgästen zur Verfügung steht, wurde ein Thermalpool installiert, den man auch im Winter bei zugefrorenem See benützen kann. Beim Bau der Anlage gab es eine ganz eigene Problematik zu bedenken. Die beiden Becken haben unterschiedliche Funktionen und Aufbereitungsmethoden. Der Naturteich wird ausschließlich biologisch durch die im Wasser angesiedelten Wasserpflanzen gereinigt. Der Whirlpool hingegen hat ein klassisches chemisches Aufbereitungssystem. Beide Systeme müssen streng getrennt werden. Gerät Chlorwasser in den Naturteich, würde es das empfindliche Ökosystem zerstören. Bis jetzt ist das allerdings nicht passiert, das Konzept scheint aufzugehen.

Die Investition hat sich laut Deutsch ausgezahlt. „Bei unseren Gästen kommt diese neue Attraktion sehr gut an.“

Lesen Sie im dritten Teil unserer Serie: Messtechniken, Kontrollen und Schulungen – was kann gut ausgebildetes Personal zu Poolhygiene beitragen? 

 

Hilfreiche Downloads

Hygiene Uni Graz:
http://www.hygiene-graz.at/wasser_hygiene/frameset_wasser.html

Fachverband Bäder
http://portal.wko.at/wk/format_detail.wk?angid=1&stid=378681&dstid=1639&opennavid=0

 

Die gesetzlichen Bestimmungen

Auszug aus der Bäderhygieneverordnung

Beckenwasser  (§  4  BhygV): 
Das Wasser, das sich im Becken befindet (Beckenwasser), muss an den in der BHygV angeführten Entnahmestellen folgenden Anforderungen entsprechen:(...)        

2. In chemisch-physikalischer Hinsicht:
a) der Gehalt an oxidierbaren organischen Substanzen, ausgedrückt in mg/l KMnO4- Verbrauch, soll nicht mehr als 3 mg/l und darf nicht mehr als 4 mg/l über dem Wert des aufbereiteten Wassers liegen; bei Füllwasser aus einem ortsgebundenen natürlichen Heilvorkommen mit sehr hohem Chloridgehalt und Salzwasserbädern (mit Lösungen bis 4 Volumsprozent Natriumchlorid) ist der TOC zu bestimmen und darf nicht mehr als 0,5 mg/l (unter Abzug der Isocyanursäurekonzentration bei Verwendung von Isocyanursäure (oder deren Salzen) über dem Wert des aufbereiteten Wassers liegen,
b) der pH-Wert darf nicht weniger als 6,5 und nicht mehr als 7,8, in Warmsprudelbeckenbädern nicht weniger als 6,5 und nicht mehr als 7,4, betragen,
c) die Konzentration an freiem Chlor
aa) muss in allen Beckenteilen
- im pH-Bereich bis 7,4 in Hallenbädern und künstlichen Freibädern mindestens 0,3 mg/l, in Warmsprudelbeckenbädern mindestens 0,6 mg/l betragen,
- im pH-Bereich über 7,4 bis 7,8 mindestens 0,5 mg/l betragen, und
bb) darf in Hallenbädern 1,2 mg/l und in künstlichen Freibädern 2,0 mg/l nicht überschreiten,
d) die Konzentration an gebundenem Chlor soll im pH- Bereich 6,5 bis 7,8 höchstens 0,2 mg/l, darf jedoch höchstens 0,3 mg/l betragen,
e) die Konzentration an Chlordioxid beim Verfahren gemäß § 10 Z 3 (FN) soll nicht mehr als 0,2 mg/l betragen und darf 0,3 mg/l nicht überschreiten, die Konzentration an Chlorit beim Verfahren gemäß § 10 Z 3 (FN) darf 0,1 mg/l nicht überschreiten,
f) die Konzentration an Ozon darf höchstens 0,05 mg/l betragen.

Text: Rhea Krcmárová

27.05.2008 22:56 Alter: 2 Jahre