Sie sind hier: SPA World Online / Hauptrubriken / Newsdetails

News

?Mit der Ausbildung prinzipiell zufrieden, aber ??

Hunderte Ausbildungsmöglichkeiten im Spa- und Wellnessbereich und tausende Abgänger, die Jahr für Jahr einen Job in der Tourismus-Branche suchen. Entspricht das Niveau der Ausbildung den Erwartung der Betrieb? Das ist die Meinung der Experten:

Johan Haberl, Hotel Larimar in Stegersbach

Gabiriele Obermaier, Grand Park Hotel Bad Hofgastein

Familie Daberer, Biohotel Daberer in Dellach

Fachliches Niveau in Ordnung
Einig sind sich die Hoteldirektoren und Spa-Manager auf jeden Fall, wenn es um das fachliche Niveau geht. ?Prinzipiell erfüllen Abgänger unsere Anforderungen, jedoch wäre es wünschenswert, dass Berufsbilder mehr in einander übergehen würden. Jeder weiß viel über sein eigenes Berufsfeld, sollte aber mehr Wissen über das gesamte Thema SPA und Wellness haben?, sagt etwa Kathrin Gerkhardt, Spa-Managerin des kürzlich eröffneten Lindner Seepark Hotel ? Congress & Spa in Klagenfurt, im Interview mit SpaWorld Business. Karl Reiter vom Posthotel Achenkirch weist auch darauf hin, dass etwa im Bereich von Therapeuten und Kosmetikerinnen eine Lehre nichts ersetzt. Reiter: ?Weil allen Schulabgängern ganz einfach die Praxis fehlt, und somit die Routine, Feinfühligkeit bei Behandlungen und im Umgang mit Gästen. All das, was man  auf der Schule nicht  unbedingt lernt?. Der oberflächlich, prinzipiell positive Blick auf die Ausbildung bekommt also bereits erste Risse, sobald man etwas in die Tiefe geht. In dutzenden Interviews hat SPA WORLD Business einige Ausbildungsbereiche identifiziert, die zu wenig oder teilweise ? aus Sicht der Hoteldirektoren und Spa-Manager ? überhaupt nicht berücksichtigt werden.

Social Skills
Ein Anliegen, das sich bei fast allen Antworten wie ein roter Faden durchgezogen hat, ist die mangelnde Schulung der so genannten Social Skills, also die soziale Kompetenz. ?Wie führe ich ein Gespräch in einer Behandlung, wie führe ich überhaupt den Gast. Die Therapeuten vergessen oft bzw. wissen nicht, dass sie mit Menschen zu tun haben. "Unsere Therapeuten brauchen mindestens ein Jahr, bis sie diese soziale Kompetenz erlernt haben?, erläutert Martin Klein vom Hotel Hoschober. Ähnlich sieht dies Hoteldirektor Johann Haberl vom Hotel Larimar in Stegersbach: ?Wir müssen Soft Skills bzw. das Beziehungsmanagement forcieren. Die Therapeuten müssen den Gästen Lebensorientierung auf dem Weg mitgeben, da sich die Gäste den Therapeuten anvertrauen. Hier gibt es in der Ausbildung noch viel Aufholbedarf?. Auch Gabriele Obermair vom Grand Park Hotel Bad Hofgastein ist dieser Meinung: ?Gerade beim Umgang mit dem Gast gibt es noch viel Verbesserungspotenzial auf Seiten der Therapeuten. Aber man muss hier auch die Betriebe in die Pflicht nehmen und kann nicht alles auf die Ausbildung abwälzen?, so Obermair im Interview mit SpaWorld Business.

Psychologie
Ein Wunsch, der auch sehr stark mit den Social Skills verknüpft wird, ist eine vertiefende Ausbildung im Bereich der Psychologie, die ebenfalls von einigen Betrieben eingefordert wird. So auch vom Stadt Hotel Hamburg auf Sylt, das Defizite in diesem Bereich erkennt. Konkret wird Kathrin Gerkardt von Lindner Seepark: ?Ein ganzheitlicher  SPA Bereich kann ohne einen nachhaltigen Wohlfühleffekt nicht funktionieren. Es wäre daher sowohl für Kosmetiker als auch Masseure wichtig, psychologisches Grundwissen zu haben und auf oberflächliche Stressbewältigung eingehen zu können.? Johannes Haberl antwortet auf die Frage nach den Ausbildungsbereichen, die verstärkt werden sollen, folgendermaßen: ?Weniger fachliche Bereiche, mehr Beziehungsmarketing, Fühlen, also die weichen Faktoren, die einen Wellnessurlaub ausmachen.?

Betriebswirtschaftliche Kenntnisse, Marketing und der Verkauf
Zwar dürfte die theoretische Ausbildung im betriebswirtschaftlichen Bereich inkl. Unterbereiche wie Marketing oder Verkauf bei sehr vielen Ausbildungsinstitutionen auf der Tagesordnung stehen. Dennoch monieren viele Betriebe hier Defizite, wie etwa Hendrikje Krüger, Leitung SPA Empfang & Verkauf Grand SPA Resort A-ROSA Travemünde. Krüger: ?Defizite bemerken wir im Bereich der Verkaufs- und Warenkunde sowie in der Kommunikations- und Präsentationsfähigkeit. Hier sind wir als Unternehmen gefragt, diese Bereiche zu schulen.? Ähnlich sieht dies Marianna Daberer vom Biohotel Daberer: ?In den Bereichen Beratung, Verkauf und dem Übermitteln von Fachwissen sind Abgänger oft unterqualifiziert?.

Massage
Als weiteres Ausbildungs-Manko hat sich in den Gesprächen der Bereich der Massage herauskristallisiert. ?Eine Massage ist beispielsweise nicht nur mit reichhaltigen Crems oder Ölen sowie Aromen wirksam, der Therapeut sollte mit seinen Anatomie- und Physiologiekenntnissen auf die evtl. Defizite des Gastes auch ohne große Anamneseerhebung eingehen können?, heißt es auf Anfrage von SpaWorld Business vom Hotel Stadt Hamburg auf Sylt. ?Die Abgänger zeigen bereits bei den erweiterten klassischen Behandlungen wie Fußreflexzonenmassage und Lymphdrainage Probleme. Die Bindegewebs- und Segmentmassage sowie  Akkupunktmassagen beherrschen nur wenige. Gelenksmobilisation bzw. generelle Bewegungseinheiten wären sehr wünschenswert. Generell werden energetischen Behandlungen (noch) zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt?, meint etwa Gunda Unterweger, Gastgeberin im Hotel & Spa Der Steierhof in Bad Waltersdorf. Ins gleiche Horn bläst Kathrin Gerkhardt vom Lindner Seepark Hotel in Klagenfurt: ?Viele Masseure müssen erst noch durch Zusatzausbildungen spezielle Massageformen erlernen ? z. B. Reiki, Shiatsu etc. Diese speziellen Behandlungsformen sind allerdings mittlerweile in jedem SPA zu finden, sollten also auch Teil einer zukunftsorientierten ganzheitlichen Massageausbildung sein.?

Kurze Ausbildung und fehlende Praxis
Einige Antworten deuten auch auf ein anderes ?Problem? hin. Kurze Ausbildungen, also etwa Wochenend-Massagekurse, reichen für viele Betriebe nicht mehr aus, um als qualifiziert für diesen Bereich zu gelten. ?Um alle wichtigen Themen in eine Ausbildung zu packen, müsste die Ausbildung fünf Jahre dauern. Therapeuten sollten sich auf ein Fachgebiet spezialisieren: Massagen und Körperarbeit, bzw. Kosmetik oder medizinische Fußpflege (Nagelstylist). Um ganzheitlich arbeiten zu können, sollte auf eine Grundausbildung eine fundierte Weiterbildung folgen?, meint etwa das Stadt Hotel Hamburg auf Sylt. Gunda Unterweger vom Hotel & Spa Der Steirerhof legt nach: ?Im Allgemeinen erfüllen Abgänger leider nicht unsere Anforderungen, da es den Meisten an wirklich hochwertiger Praxis fehlt?. Einige Betriebe nehmen daher die Weiterbildung selbst in die Hand, wie etwa die Heiltherme Bad Waltersdorf. ?Im Styrian Spa werden neue Behandlungsmethoden selbst entwickelt und die Mitarbeiter im Betrieb selbst entsprechend weitergebildet. So entstand auch unser Unikat und Markenzeichen "TSM®, Traditionell Steirische Medizin", erzählt Marketingleiterin Andrea Pieber auf Nachfrage von SpaWorld Business.

Fazit
Die Liste der Verbesserungsvorschläge ist hier jedoch noch nicht zu Ende. Weitere Themenbereiche wie etwa ineinander greifende Berufsbilder, Nachhaltigkeit, ganzheitliches Wellness, ungleiche Bewerbungsprofile, Fremdsprachenkenntnisse, Wirkstoffkunde wurden von den verantwortlichen Personen angesprochen. ?Gästebetreuung, das Handling von Beschwerden, wirtschaftliches Arbeiten mit dem Buchungsplan, wirtschaftlicher Warenverbrauch und Warenkontrolle, Computerkenntnisse und Grundkenntnisse mit dem Umgang einer Spa-Software/Spa Reservierungssystems sind Bereiche, die in den Ausbildungen verstärkt berücksichtigt werden sollten, um zukünftig den Anforderungen in verbesserter Form gegenüberzustehen?, fasst auch Tanja Steinbeisser, Spa Manager im Schloss Fuschl, zusammen. Generell stellen österreichische und deutsche Betriebe der Ausbildung im Spa- und Wellnessbereich also ein gutes Zeugnis aus. Eine große Lücke klafft jedoch im Bereich der Social Skills. In der kommenden Ausgabe werden wir die Ausbildungsinstitutionen mit den Antworten der Betriebe konfrontieren. Für spannende Diskussionen ist also gesorgt.

Fünf Fragen, viele verschiedene Antworten
Mit fünf öffnenden Fragen konfrontierte SpaWorld Business führende Betriebe in Österreich und Deutschland. Exemplarisch hier die Antworten von Kathrin Gerkhardt, die den Spa-Bereich des kürzlich eröffneten Lindner Seepark Hotels in Klagenfurt leitet.

SpaWorld Business: Erfüllen Abgänger, die eine Ausbildung im Bereich Spa und Wellness absolviert haben, prinzipiell ihre Anforderungen?
Kathrin Gerkhardt: Prinzipiell schon, jedoch wäre es wünschenswert, dass Berufsbilder mehr in einander übergehen würden. Jeder weiß viel über sein eigenes Berufsfeld, sollte aber mehr Wissen über das gesamte Thema SPA und Wellness haben (eventuell mehr geschichtlicher / wirtschaftlicher Hintergrund).

SpaWorld Business: In welchen Bereichen finden Sie die Abgänger entsprechend qualifiziert?
Gerkhardt: Es ist jeder, der in seinem Berufsfeld eine hochwertige Ausbildung erlernt hat für seinen Bereich auch qualifiziert. Das gilt aber nur für die Berufe die ganzheitlich erlernt wurden. Jemand der nur an einem ?Wochenende Kurs? teilgenommen hat, um zB Ayurveda zu lernen, ist in diesem Bereich dennoch unterqualifiziert. Es ist daher besonders wichtig darauf zu achten, dass erlernte Zusatzqualifikationen auch in einem entsprechenden Rahmen stattfinden.

SpaWorld Business:  In welchen Bereichen finden Sie die Abgänger zu gering qualifiziert?
Gerkhardt : Massage. Viele Masseure müssen erst noch durch Zusatzausbildungen spezielle Massageformen erlernen ? z. B. Reiki, Shiatsu etc. Diese speziellen Behandlungsformen sind allerdings mittlerweile in jedem SPA zu finden, sollten also auch Teil einer zukunftsorientierten ganzheitlichen Massageausbildung sein.

SpaWorld Business: Welche Ausbildungsbereiche werden Ihrer Meinung nach in Bezug auf Spa und Wellness zu wenig oder nicht berücksichtigt?
Gerkhardt: Ein ganzheitlicher  SPA Bereich kann ohne einen nachhaltigen Wohlfühleffekt nicht funktionieren. Es wäre daher sowohl für Kosmetiker als auch Masseure wichtig, psychologisches Grundwissen zu haben und auf oberflächliche Stressbewältigung eingehen zu können.

SpaWorld Business: Welche Ausbildungsbereiche im Bereich Spa und Wellness sollte man verstärken bzw. neu einführen?
Gerkhardt: Ganzheitliche Wellness: Es sollten nicht nur die einzelnen Behandlungsformen geleert werden, sondern auch alles was mit dem Thema Gesundheit zu tun hat. Diese Themen wären Ernährung, Bewegung, Soziales Engagement oder auch Stressbewältigung (Autogenes Training, Entspannungsübungen, Meditation).  Schön wäre, wenn sämtliche Berufe im Bereich SPA und Wellness über diese Ebene stärker an einander anknüpfen würden.

Links:
www.lindnerhotels.at
www.hotelstadthamburg.com
www.heiltherme.at
www.posthotel.at
www.thermenhof.at
www.krallerhof.com
www.biohotel-daberer.at
www.a-rosa.de
www.larimarhotel.at
www.dersteirerhof.at
www.grandparkhotel.at
www.schlossfuschlresort.at

 SPA WORLD Business, Ausgabe 4/2009

 

10.10.2009 08:15 Alter: 335 Tage