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Schminken wie ein Profi

SPA WORLD Business-Redakteurin Rhea Krcmárová sprach mit Maskenbildnerin Karin Schön, Trainerin für Make-up Artists und Maskenbildner.

Weich schattierte Shades lassen das Auge jugendlich erscheinen.

Mit einem gelungenen Make-up verwöhnt man die Kundin zusätzlich.

Visagisten wissen, welchem Gesicht welche Farben stehen.

SPA WORLD Business: Sie unterrichten die Kunst des Schminkens am WIFI Wien.
KARIN SCHÖN: Ja, ich bin eine der Trainerinnen beim Lehrgang für Visagisten und Maskenbildner. Es gibt zwei Klassen, man kann die Ausbildung entweder in fünf Monaten berufsbegleitend machen, oder einen Intensivlehrgang besuchen, den man dann in drei Monaten absolviert. Beide sind vollwertige Ausbildungen, eine gute Basis für einen Beruf als Maskenbildner. Um im Theater als Maskenbildner arbeiten zu können, braucht man aber zusätzlich eine Frisörausbildung. Die kann man auch im WIFI machen, das ist ein extra Lehrgang.

SWB: Wie lange unterrichten Sie schon?
KS: Seit mehr als zehn Jahren. Zu meiner Zeit hat es diese anerkannte Ausbildung noch nicht gegeben, darum bin ich froh, als Vortragende dabei zu sein.

SWB: Sie unterrichten aber nicht nur.
KS: Ich arbeite als freischaffende Maskenbildnerin, sehr viel im Bereich Theater, Film, Foto, Styling. Ich mache auch Styling- und Typberatungen, das ist auch eines meiner Spezialgebiete.

SWB: Wie hoch ist der Anteil an Kosmetikerinnen in Ihren Kursen?
KS: Sehr gering, ich schätze so um die fünf Prozent. Der geringe Anteil überrascht mich. ich hätte gedacht, es gäbe mehr Interessentinnen. Ich freue mich jedenfalls über jede Kosmetikerin in meinem Kurs. Die dekorative Kosmetik ist so ein großer und oft sehr unterschätzter Bereich. Sogar die Ärzte sagen, dass man über die Haut, unser größtes Organ, immer noch viel zu wenig weiß.

SWB: Profitiert eine Kosmetikerin oder Spa-Managerin denn von einer Visagistenausbildung?
KS: Ich denke, da gibt es für Kosmetikerinnen viel zu entdecken.

SWB: Tatsache ist, dass mehr und mehr Kosmetikerinnen dekorative Kosmetik im Sortiment haben, und die Kunden nach der Behandlung schminken. Die wenigsten Kosmetikerinnen können aber so gut schminken wie Profi-Visagistinnen.
KS: Es ist einfach ein anderer Ausgangspunkt. Bei dekorativer Kosmetik stehen das Make-up und die Farben im Vordergrund, sind sogleich sichtbar.

SWB: Wie ist das bei Ihnen?
KS: Als Maskenbildner schminkt man Models und Schauspieler, also Menschen mit einer sehr ausgeprägten eigenen Meinung, die in Sachen Make-up mitreden. Bei uns geht es darum, etwas gemeinsam zu erarbeiten. Wir müssen den Typ und die Persönlichkeit erkennen und ein sehr naturgerechtes, natürliches Make-up machen. Es geht nicht darum, dass Außenstehende das Make-up loben, sondern sagen: ?Wow, was für ein schönes Gesicht?, und das Make-up tritt in den Hintergrund.
Das Make-up wird ein Mittel zum Zweck, um das Maximum aus dem Menschen rauszuholen. Das heißt, man muss im Stande sein, perfekt auf ein Gesicht einzugehen. Es geht nicht um eine neue Farbe oder einen neuen Lippenstift, sondern darum, die Persönlichkeit hervorzuheben, und kleine Korrekturen durchzuführen, z.B. die Müdigkeit wegzuschminken. Wenn Maskenbildner ein Make-up machen, muss es ganz natürlich ausschauen. Das Make-up muss immer in seiner Natürlichkeit überzeugen und die Gesichter zum Strahlen bringen. Man sieht das vor allem auch bei US-Filmen. Julia Roberts muss immer natürlich gut ausschauen, man darf sich nie denken, sie sei gut geschminkt.
Am Theater und im Film geht es um dramaturgische Veränderung beim Make-up. Man hat viele Schauspieler ja schon in sehr vielen Rollen gesehen. Die Filmvisagistinnen geben ihnen aber immer einen neuen Look, einen neuen Ausdruck. Nicht umsonst hat sich Sharon Stone bei der Oscarverleihung bei der Visagistin ihres Films ?Casino? bedankt, weil sie im Film Jahre jünger ausgeschaut hat. Eine gute Maske verjüngt und verschönert nicht nur, sondern trägt auch generell viel zur Rollenentwicklung bei.  So kann ein junger Schauspieler nur mit Hilfe einer perfekt geschminkten ?Altersmaske? einen alternden Menschen darstellen.
Die dekorative Kosmetik hat eine andere Aufgabe. Es geht darum, die Dame, die aus der Kabine kommt, weiter zu verwöhnen, ihr einen wunderbaren Lippenstift zu verkaufen, oder einen schönen Lidschatten, den sie auch selber verwenden kann. Das ist eine andere Zielgruppe.
Eine Visagistin weiß zum Beispiel über verschiedene Typen von Make-ups und ihren Einsatz noch viel detaillierter Bescheid, sei es flüssiges Make-up, fettes Make-up, Pudermake-up, sie weiß auch, in welchem Licht welcher Untergrund besser wirkt.
Bei den Kosmetikerinnen geht es um den Verkauf der Produkte, ich muss meine Arbeit gut verkaufen, eine Schauspielerin oder ein Model gut aussehen lassen.

SWB: Woran liegt es, dass das Schminkwissen in der Kabine noch ausbaufähig ist?
KS: In der Ausbildung gibt es andere Schwerpunkte.

SWB: Was sind Ihrer Ansicht nach generell die größten Schmink-Fehler?
KS: Der größte Fehler, den man beim Schminken machen kann, ist, nicht auf das einzugehen was da ist. Wichtig ist, dass das Make-up die Frau unterstützt und das Beste aus ihrem Look rausholt.
Es geht darum, die Gesichtszüge genau zu erkennen, die Schwächen zurücktreten zu lassen und das Vorhandene zu unerstreichen. Ich suche mir aus, was ich unterstützen will. Jedes Gesicht hat etwas, das man herausarbeiten kann, hat etwas Besonderes, das man durch Make-up und Farbe betonen kann. Wichtig ist es auch, immer die Farbharmonie im Gesicht zu beachten, nicht nur der Versuchung zu erliegen, Trendfarben zu benützen.

SWB: Muss man sich wirklich entscheiden, was man betonen möchte?
KS: Ja, man darf nicht den Fehler machen alles zu betonen. Teint und Lippen und Augen, das wird schnell zu viel. Weniger ist da wirklich mehr. Das beginnt schon bei der Basis.
Man darf nicht glauben, dass Make-up alles abdecken muss. Die Foundation muss keine Schutzschicht sein. Sicher, bei Akne oder Verbrennungen braucht man eine dickere Schminke, muss mit Camouflage arbeiten. Ansonsten sollte das Make-up dünner sein, transparenter. Man kann bei Flecken punktuell arbeiten, muss aber nicht das ganze Gesicht flächig abdecken.

SWB: Das sieht dann natürlich aus.
KS: Ja, wobei man sagen muss, dass ?natürlich? je nach Betätigungsfeld ein dehnbarer Begriff ist. Was eine Kosmetikerin als natürlich empfindet, ist beim Film und bei Fotos schon zu viel. Man arbeitet da mit unglaublich feinen Nuancen. Man soll aus einem Meter Entfernung nicht sehen, dass die Person geschminkt ist. Bei Fernsehinterviews mit starken Lichtern oder im Theater ist das Make-up dann wieder stärker.

SWB: Was für Tipps haben Sie für eine perfekte Grundierung?
KS: Ich verwende sehr hochwertige Underbase-Produkte, sprich eine spezielle Feuchtigkeitsunterlage  für das Make-up. Das schützt die Haut und verlängert auch die Haltbarkeit des Teints. Wichtig ist auch, den richtigen Hautton zu erwischen.
Als Maskenbildnerin lasse ich meine Schüler genau den Hautton des Halses mischen. Der Concealer darf weder zu hell noch zu dunkel sein. Bei Problemstellen arbeite ich gerne mit farbausgleichenden Produkten z.B. von Chanel. Rote Flecken z.B. werden durch Grüntöne sehr gut ausgeglichen. Diese Produkte trage ich dann unter dem Make-up auf.

SWB: Und was ist mit anderen, schwieriger zu schminkenden Gesichtern? Kann man Menschen schlanker schminken oder große Nasen kleiner erscheinen lassen?
KS: Ja, diese Korrekturen erreicht man mit Schattierungen. Alles, was man nicht sehen soll, schattiert man dunkel, und es tritt in den Hintergrund. Helle Stellen dagegen treten hervor.

SWB: Was für Schminkfehler beobachten Sie noch?
KS: Viele Frauen schminken sich nur von vorne und denken nicht an die Seite. Wichtig wäre immer, die Grundierung zur Seite, zum Ohr und auch zum Hals gut zu verwische und mit einem neutralen Puder gut abzupudern. So vermeidet man auch den typischen Rollkragen-Look.
Überhaupt sieht man sehr oft Make-up mit Rändern. Die Base verträgt sich nicht mit dem Make-up, vor allem wenn beides eher fettig ist.
Auch Rouge wird selten richtig aufgetragen, die meisten setzen ihn oberhalb des Wangenknochens und arbeiten viel zu dick, viel zu plakativ. Man sollte nicht gleich sehen, dass die Person Rouge trägt.

SWB: Wie kann man es verhindern, dass man seine Kundin als Rotbäckchen nach draußen schickt?
KS: Ich arbeite gerne mit Cremerouge oder Flüssigrouge, aber auch mit den Resten alter Lippenstifte, je nach Teint wähle ich einen Roséton, einen Rotton oder auch einen lachsfarbenen Stift. Ich trage die Farbe am höchsten Punkt des Wangenknochen auf. Dann verwische ich sie leicht nach außen und nach unten, achte aber drauf, am höchsten Punkt zu bleiben. Nach dem Abpudern sieht das Ergebnis ganz natürlich aus.

SWB: Haben Sie Tipps, um den Mund zu optimieren?
KS: Wenn jemand feine Lippen hat, kann man mit Gloss erreichen, dass sie voller aussehen. Egal, ob man einen eher breiten oder schmalen Mund hat, ein zu dunkler Lippenkonturenstift ist auf jeden Fall ein Fehler.

SWB: Warum?
KS: Dunkle Ränder machen immer kleiner, der Mund wirkt dann eng und streng. Ich bin auch eine Gegnerin von tätowierten Lippen bzw. Permanent Make-up. Natürlich gibt es da aber auch Ausnahmen.

SWB: Und wie macht man es richtig?
KS: Bei der Auswahl des Konturenstiftes sollte man immer auf die eigene Lippenfarbe schauen, feststellen, ob der Mund blass ist, ins braune geht, ob er rosa- oder doch eher gelbstichig ist.
Ich bin generell eine Verfechterin eines weichen Make-ups. Auch bei den Augen sollte man harte Linien und starke Kajalkanten vermeiden. Schminkt man Smokey Eyes ? was im Moment sehr im Trend liegt ? sollte man auf weiche Linien achten. Harte Striche kann man mit Wattestäbchen oder Pinseln weicher machen. Aus dem Schwarz wird dann ein Grauton, der auch gleich plastischer und dreidimensionaler aussieht. Man muss bei Smokey Eyes übrigens immer mit der Physiognomie gehen, die dunkelste Stelle muss immer in der Lidfalte sein, von dort aus kann man die Farbe weich ausstreichen.
Auch mit schön gearbeiteten Augenbrauen kann man sehr viel erreichen. Viele zupfen die Brauen sehr schön, nur um dann mit einem dicken Stift drüberzumalen. Ich arbeite sehr dezent, mit Pinsel und braunem Lidschatten, damit die Brauen nicht aufgemalt aussehen.

SWB: Erreicht man mit eigentlich mit teureren Pinseln bessere Ergebnisse?
KS: Auf jeden Fall. Viele sparen bei den Werkzeugen, kaufen sie im Drogeriemarkt, davon rate ich ab. Man kommt nicht darum herum, für gute Pinsel Geld auszugeben. Man muss auch experimentieren, mit Pinseln ist das wie mit Schreibwerkzeug. Der eine schreibt lieber mit einer Füllfeder, der andere greift zum Kuli.

SWB: Woran erkennt man einen guten Schminkpinsel?
KS: Das Haar ist relativ fest, aber trotzdem weich und elastisch und fühlt sich auf der Haut angenehm an. Viele Pinsel sind borstig, die kann man vergessen. Er muss eine gute Fülle haben, fest gebunden sein, und darf keine Haare verlieren. Gerade bei Rougepinseln ist das sehr wichtig. Übrigens gibt es durchaus auch gute Pinsel mit synthetischen Haaren.

SWB: Mit welchen Pinseln arbeiten Sie?
KS: Für die Augen verwende ich zum Beispiel Katzenzungen-Pinsel für Lidschatten. Die sind vorne etwas spitz, man kommt mit ihnen sehr gut in den Lidbogen hinein. Stumpfe Pinsel kann man wie Wattestäbchen verwenden, um Farbe weicher zu machen und auszustreichen.

SWB: Wir danken für das Gespräch.

Visagisten versus Maskenbildner

Visagisten sind im Bereich der dekorativen Kosmetik tätig. Sie arbeiten für Make-up-Firmen, oft auch für Fotoshootings.
Maskenbildner haben eine andere Ausbildung als Visagisten, haben meist eine Friseurlehre absolviert. Sie arbeiten in der Regel beim Film oder im Theater. Maskenbildner können das Aussehen ihrer Klienten völlig verändern, sie alt oder krank aussehen lassen, Wunden schminken oder die Künstler in Aliens, Tiere und andere Phantasiegestalten verwandeln.

Biographie Karin Schön
Die Wiener Maskenbildnerin machte nach ihrer Matura die Ausbildung zur Visagistin, Maskenbildnerin und Friseurin (u.a. Studio Die Maske, Köln; WIFI Wien).
Als freie Maskenbildnerin arbeitet sie seit 1989 in den Bereichen Werbung, Theater, TV und Film. Sie kreierte unter anderem das Make-up für die Filme Schlafes Bruder, Hinterholz 8 und Nordrand. Seit 1996 gibt sie ihr Wissen an angehende Visagistinnen weiter.

SPA WORLD Business, Ausgabe 5/2009

11.11.2009 09:30 Alter: 302 Tage