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Ausbildungsinstitute: David gegen Goliath

Ein Rundruf von SPA WORLD Business bei Ausbildungsinstituten im Bereich Spa- und Wellness macht es deutlich: Der ?Kampf? um die Kunden ist beinhart, die Konkurrenten schenken einander nichts. Auch nicht, wenn es darum geht, das generelle Ausbildungsniveau zu beurteilen. Der Kampf David gegen Goliath ist voll entbrannt.

" Gute Arbeit an Ausbildungsinstituten spricht sich herum." Peter Susat, Deutscher Wellnessverband

?Das bfi Wien empfiehlt zusätzlich zur Fachkompetenz sich fächerübergreifend Sozialkompetenz anzueignen.? Masuch Gabriele, PUBLIC RELATIONS bfi Wien

?Es gibt leider viele schwarze Schafe?

?Es gibt leider viele schwarze Schafe. Die großen etablierten Schulen, die auch von Arbeitsmarktservice etc. ?gespeist? werden, sind unverhältnismäßig teuer und es wird viel Zeit geschunden. Die kleinen Schulen haben da kaum eine Chance?, meint etwa Gabi Vonwald, Leiterin der Privatschule für Wellnessberufe in  Wien. Dem entgegnet Margit Maria Havlik vom Wirtschaftsförderungsinstitut der Wirtschaftskammer Österreich: ?Nicht alles wird überall angeboten, kleinere Institute können nicht so flexibel reagieren.? Ein beinharter Kampf um jeden Kunden also, der auch zu Misstönen unter den Konkurrenten führt.

Norm fehlt
Ein Problem, das von nahezu allen Befragten angesprochen wird, ist die fehlende Norm in der Ausbildung. ?Das Problem besteht dahingehend, dass viele Ausbildungen nicht genormt sind, es keine Vorgaben bezüglich Lehrplänen gibt. Somit kann einerseits die Schwierigkeit für den Ausbildung-Suchenden aber auch für den Arbeitgeber entstehen, zu beurteilen, wer gut ausgebildet ist?, sagt Rudolf Nastl, Lehrgangsleiter und Trainer der berufsbegleitenden Ausbildung Wellnesstrainer/in / Fitnesstrainer/in vom bfi-Wien gegenüber SPA WORLD Business. Deutlicher formuliert es Vonwald: ?Es gibt keine Standards, man nimmt einfach an: großer Name ? tolle Ausbildung, unbekannt ? schlechte Ausbildung?. Ganz so einfach kann man es sich natürlich nicht machen, auch wenn die Problematik der Speisung durch das Arbeitsmarktservice gegeben ist. Gute Arbeit an Ausbildungsinstituten spricht sich herum, wie auch Peter Susat vom Deutschen Wellnessverband im Exklusiv-Interview mit SPA WORLD Business bestätigt. (siehe Interview)

Produziert der Markt an den Bedürfnissen vorbei?
Zugegeben, es ist eine schwer zu beantwortende Frage, ob man selbst an den Bedürfnissen des Marktes vorbeiproduziert. Man kann davon ausgehen, dass die meisten Ausbildungsinstitutionen ein gewisses Maß an Selbstreflexion betreiben und dadurch zu wissen glauben, was der Markt an Ausbildungen braucht. Wenn man schon nicht über sich selbst in Bezug auf diese Frage reden will, dann lässt sich zumindest über die anderen reden. ?Das Beispiel Massage zeigt, dass am Markt vorbeiproduziert wird. Hier wird von den großen Schulen ausschließlich auf die Selbständigkeit hingearbeitet und die Ausbildung dauert viel zu lange. Aber es wird nicht für die Praxis gelernt. Kommt man in einen Betrieb, wo dann der Tisch an der Wand steht, kann der Schulabgänger schon nicht mehr arbeiten, weil er es nicht gelernt hat. Nur wenige Betriebe bieten die Möglichkeit, auch eine Praxis zu absolvieren. Oft sieht der Kursteilnehmer während seiner ganzen Ausbildung nie einen echten Kunden und ist dann total geschreckt. Und viele Ausbilder haben gerade einmal selbst zwei bis drei Jahre eigene Praxis, dann gehen sie schon in den viel lukrativeren Part des Unterrichtens?, kritisiert Vonwald, die ihrerseits neben der Ausbildung noch einen Betrieb mit Filialen hat. Nastl vom bfi-Wien sieht eine weitere Lücke: ?Prinzipiell wird schon für den Markt  mit zielgerichteten speziellen Ausbildungen produziert. Es fehlt aber leider die übergreifende Verknüpfung.? Selbstbewusst zeigt sich in dieser Frage jedenfalls das WIFI: ?Das WIFI produziert jedenfalls nicht am Markt vorbei?, so Havlik.

Markt am Ohr haben
Die Abschlussfrage galt den Herausforderungen, die auf die Ausbildungsinstitutionen warten. ?Weitere Trends frühzeitig erkennen und Ausbildungen dazu maßschneidern, das Ohr am Betrieb haben, vorhandene Angebote auf Bedarf evaluieren?, meint etwa Havlik vom WIFI. Masuch empfiehlt die Aneignung zusätzlicher sozialer Kompetenz, wie auch in der vergangenen Ausgabe von SPA WORLD Business von vielen Betrieben eingefordert: ?Das bfi Wien empfiehlt, sich zusätzlich zur Fachkompetenz auch fächerübergreifend Sozialkompetenz anzueignen.  Social Skills wie "Erfolgreiches Arbeiten im Team", "Strategien zur Konfliktlösung", "Körpersprache und Sprechtechnik", "Professionelle Fragetechniken in Beratungssituationen", etc., um auch im Wellnessbereich mit  Kollegen effektiv und mit Kunden bedürfnisorientiert umgehen zu können sind hier von Bedeutung. VonWald geht nochmals auf die fehlenden Standards ein und bringt ein konkretes Beispiel: ?Einheitliche Standards in Anatomie wären zum Beispiel dringend notwendig. Der Name ?Energethiker? ist sehr schlecht gewählt. In diesem Topf findet man von echten Wellnessberufen bis Engelsingen und Mondanheulen leider alles, was den gesamten Berufsstand abwertet. Eine kommissionelle Prüfung für alle Gesundheitsberufe in Bezug auf Anatomie, Pathologie, Hygiene, Gesprächsführung etc. wäre sinnvoll?.

Tiefe Kluft
Die Kluft zwischen den großen institutionalisierten Betrieben und kleinen, privaten Anbietern dürfte also groß sein. Eine Kluft, die nur durch einheitliche Standards in der Ausbildung beseitigt werden kann. Standards, die allen Seiten helfen würden. Einerseits den Betrieben, weil diese dann nicht die Katze im Sack kaufen müssen, andererseits den Ausbildungssuchenden, weil dadurch mehr Transparenz in den Markt gebracht wird.

?Zu wenige Vollzeitausbildungen in Deutschland?

Peter Susat vom Deutschen Wellnessverband analysiert im Interview mit SPA WORLD Business den deutschen Ausbildungsmarkt im internationalen Vergleich und spricht über die Herausforderungen, die in den nächsten Jahren warten.

SPA WORLD Business: Wie beurteilen Sie das generelle Niveau der speziellen Spa- und Wellnessausbildung in der BRD?
Susat: Wir unterscheiden grundsätzlich zum einen die Ausbildung (Vollzeit) und zum anderen die berufliche Weiterbildung (Teilzeit, nebenberuflich). Vollzeitausbildungen gibt es zu wenige in Deutschland. Teilzeitweiterbildungen recht viele, die meisten zu kurz, um hinreichend gute Fachkenntnisse zu vermitteln und dafür dann aber häufig zu teuer.

SPA WORLD Business: Wie sieht der internationale Vergleich aus?
Susat: Deutschland, Österreich und die Schweiz haben recht ordentliche Aus- oder Weiterbildungen (mit den oben gemachten Einschränkungen für Deutschland ? über Österreich und die Schweiz kann ich nur generelle Angaben machen), die BeNeLux-Länder differenzieren wenig zwischen Fitness und Wellness. Scheint mir dort auch noch nicht besonders ausgeprägt zu sein. In Süd-, Nord- und Osteuropa befindet sich Wellness noch stark in der Entwicklung. Von ausgeprägten Wellnesslandschaften kann man hier noch nicht so wirklich sprechen. In Italien vielleicht noch in Südtirol.

SPA WORLD Business: Welche Probleme gibt es derzeit in diesem Bereich?
Susat: Probleme liegen vor allem in der häufig zu geringen Unterrichtsstundenzahl (z.B. 25 Unterrichtsstunden für die klassische Massage ? das müssten mindestens 80 Stunden sein), den sehr niedrigen Zugangsvoraussetzungen (an Fortbildungen kann in vielen Weiterbildungen nahezu jeder teilnehmen), in zu sparsamer Information an den Kunden (Katze im Sack) und in zu geringen Vorstellungen, was die Praxis (Spas, Wellnesshotels etc) erwarten und benötigen.

SPA WORLD Business: Wo liegen die Herausforderungen?
Susat:
Herausforderungen liegen in der Entwicklung von Standards und Inhalten in Bereichen, die als allgemein notwendig anerkannt sind wie z.B. Anatomie/Pathologie, Ayurveda-, Shiatsu-, Tai-Yoga-Massage, Entspannungstechniken, Bäder und Saunen etc., in der Entwicklung von allgemein akzeptierten Prüfungen und Zertifikaten (die sollten aber nicht von den Industrie- und Handelskammern, die von Wellness nichts verstehen kommen, sondern von anderen Einrichtungen, wie Verbänden oder noch zu schaffenden und möglichst neutralen Institutionen, die mit Leuten zusammenarbeiten, die hinreichend fachkompetent sind).

SPA WORLD Business: Produziert der Ausbildungsmarkt an den Bedürfnissen der Betriebe vorbei?
Susat: Ich glaube nicht, dass der Aus- und Weiterbildungsmarkt an den Bedürfnissen des Marktes vorbeiproduziert. Das würde der Aus- und Weiterbildungsmarkt sehr schnell merken. So etwas spricht sich unter Absolventen und Interessenten für Aus- und Weiterbildungen blitzschnell herum. Der Markt funktioniert. Über Praktika, die bei vielen Aus- und Weiterbildungen dazu gehören, gibt es darüber hinaus ständig Rückmeldungen an die Aus- und Weiterbildungsstätten.

SPA WORLD Business: Welches Feedback bekommen Sie von Kursteilnehmern?
Susat: Wir haben gelegentlich Anfragen von Teilnehmern, die nicht so recht einschätzen können, wann eine Einrichtung ordentlich arbeitet. Hier empfehlen wir auf folgende Punkte zu achten: Ausführlichkeit des Info-Materials und Internet-Auftritts, Freundlichkeit und Klarheit bei Auskünften, Bereitschaft, Probeunterricht an zu bieten, Ansehen der Räumlichkeiten und der Ausstattung vor Besuch, Fragen zur Qualifikation des Lehrpersonals zu stellen, sich nach Referenzen (Absolventen) erkundigen, nach Zertifizierungen der Aus- und Weiterbildungssangebote zu fragen, nach Mitgliedschaften in Verbänden (häufig Qualitätsgemeinschaften) zu fragen, auf die Gebühren im Verhältnis zu der Anzahl der Unterrichtsstunden zu schauen (über 12 Euro pro Unterrichtsstunde ist zu teuer), ob eine staatliche Anerkennung (Deutschland) vorliegt, ob Praktika zur Aus- und Weiterbildung dazugehören usw.

SPA WORLD Business: Was lässt sich daraus ableiten?
Susat:
Daraus lässt sich ableiten, welche Einrichtungen empfehlenswert sind und welche nicht. Wir sagen natürlich, dass unsere Verbandsmitgliedsangebote zu den Empfehlenswerten zählen (weil Mitgliedschaft in einer Qualitätsgemeinschaft). Die Zahl der Wellness-Bildungseinrichtungen in Deutschland ist hoch und total unübersichtlich. Es gibt meines Erachtens keine komplette Sammlung. Natürlich gibt es auch viele Einrichtungen außerhalb des Deutschen Wellnessverbandes, die gute Arbeit leisten. Aber niemand schafft es, diese alle zu sichten und zu beurteilen. Der Markt reguliert das. Gute Einrichtungen sprechen sich herum. Schlechte Einrichtungen bekommen keine Schüler.

SPA WORLD Business, Ausgabe 5/2009

 

12.01.2010 08:10 Alter: 239 Tage