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Die Kraft des Lachens

Es passiert nicht selten, dass jemand im ruhigen Kaffeehaus in einem versteckten Eck zu lachen beginnt und Minuten später lachen viele andere mit und wieder anderen ist die gute Laune ins Gesicht gezeichnet. Welche Funktionen aber hat dieses geheimnisvolle Lachen? SPA WORLD Business hat Mag.a Verena Sternbach, Psychologin und Therapeutin in personzentrierter Psychotherapie, und Veni Labi, Lach-Yogalehrerin, zu diesem Thema befragt.

"Kinder lachen ungefähr 400-mal täglich, Erwachsene rund 20-mal!"

In der personzentrierten Therapie, so Sternbach, wird der momentane Zustand des Klienten zur Behandlung aufgenommen. Ist es ein Lachen, muss vorsichtig eingeschätzt werden, um welche Art des Lachens es sich handelt. Nicht immer ist es mit Freude und Glückszuständen verbunden. Im Gegenteil, wir versuchen gerne, Probleme mit einem Lachen zu beseitigen, sie sozusagen klein- oder gar wegzulachen. In ihrer Arbeit könne Sternbach beobachten, dass dieses zynische Lachen meist dann am stärksten ausfällt, wenn der Klient in einem für ihn besonders prekären Zustand ist.

Lachen kann Distanz und Nähe erzeugen!
Das Lachen bewirkt, so Sternbach, eine Distanz zum eigentlichen Gefühl, man versucht, sich aus der unangenehmen Situation raus zu halten. Durchaus kann eine Distanz helfen, indem das Ausmaß einer Krise abschätzbar wird oder ein größerer Zusammenhang hergestellt wird, in dem sich Bedrohliches relativieren kann. Aber mit dieser Distanz sollte vorsichtig umgegangen werden, denn mit dem Lachen nimmt man dem eigentlichen Gefühl den Stellenwert, den es zur grundlegenden Problembewältigung benötigt. Das Lachen verhindert nur allzu oft, dass Klienten lernen, ihre Probleme persönlich zu nehmen.
Ist ein Problem gelöst, beobachtet Sternbach, erreicht das Lachen eine andere Ebene. Es ist herzhaft, es ist ein Lachen der Entspannung, was physiologisch damit im Zusammenhang zu bringen ist, dass außer der Endorphinausschüttung, während des Lachens auch ausgeatmet wird, was zum Spannungsabbau führt.

Dynamiken des Lachens
Lachen ist ansteckend. In einer Gruppe von Freunden oder in Beziehungen ist gemeinsames Lachen verbindend und erzeugt ein Wir-Gefühl. In gruppendynamischen Übungen ist mit solchem Anstecken allerdings vorsichtig umzugehen. Das Lachen kann als Provokation verstanden werden und Teilnehmer eines Prozesses ziehen sich verunsichert wieder zurück, weil die Vertrauensbasis entzogen wird. Vor allem, so Sternbach, muss klar gemacht werden, wenn sie als Therapeutin lache. Der Klient muss immer wissen, warum, damit eben das notwendige Vertrauen bestehen bleibt.
Doch betont Sternbach auch die positive Seite dieser Dynamik in Gruppen. In Prozessen werden unterschiedlichste Gefühle zu Tage befördert, so kann ein Teilnehmer herzhaft Lachen und ein anderer aus tiefstem Herzen weinen. Viele Klienten könnten damit nicht umgehen, dass ihnen in einer Krise oft zum Lachen und zum Weinen zumute sei. Mit solchen Dynamiken lasse sich gut veranschaulichen, dass wir eine Vielzahl von Gefühlen zu genau einer Situation haben, die einander nicht widersprechen, sondern persönlicher Ausdruck für den eigenen Gemütszustand sind.

Loslassen und Entspannen
Das Lachyoga hat hier einen anderen Zugang zum Lachen. Veni Labi betont, dass sie als Gruppenleiterin auch Vorsicht walten lassen muss, falls jemand über das Lachen einen emotionalen Prozess auslöst. Prinzipiell ist der Fokus aber ein anderer. Es ginge darum, so Labi, ein wenig Irrationalität ins Leben zu bringen.
Mit dem Lachen lernen, Dinge weniger wichtig zu nehmen.
Das solle nicht missverstanden werden, denn es ginge nicht darum, das Leben nicht mehr ernst zu nehmen, aber es soll vielmehr in einem Blick von außen das Unwichtige vom Wichtigen getrennt werden können. Ein Lachen über sich selber ermöglicht es, scheinbar bedeutsamen Dingen ihren Schein zu nehmen. Außerdem habe es einen Gemeinschaft stiftenden Effekt, weil man sich leicht über das Lachen im anderen selbst erkennen könne, was soziale Hintergründe und unterschiedliche Sprachmilieus verschwinden lasse.

Herzhaft loslachen
Jeder kennt nun die Situation, man soll lachen und es funktioniert nicht. Wie sie ihre KursteilnehmerInnen zum Lachen bringe, folge ? selbstverständlich mit individuellen Adaptionen ? dem Konzept des Lachyoga-Begründers Dr. Madan Kataria, kombiniert mit Facetten der eigenen Persönlichkeit und der Lebenserfahrung. Dazu gehört auch, so Labi, Konzepte fallen zu lassen, denn das Lachen ist nicht vorausplanbar und hängt von der Gruppe und deren Erwartungen, wie auch von Tagesverfassungen ab.
Aber man könne sich eine Lachyoga-Stunde etwa wie folgt vorstellen. In einer Art ?Stiller Post? beginnt Labi damit, dem nächsten Teilnehmer im Kreis eine Grimasse weiterzugeben. Das müsse sich nicht nur auf das Gesicht beschränken, hier ist die Fantasie gefragt und kann auch mit Lauten und Gesten verbunden werden. Eine andere Variante wäre Begrüßungssituationen nachzustellen. Jeder von uns kennt diese Lacher, wenn man jemandem begegnet und ihm beim Händeschütteln einen Lacher entgegenbringt. Diese Situation, die auch im Alltag oft etwas absurd ist, wird in einem Kurs meist von alleine soweit gesteigert, dass die ersten Lachschranken gebrochen werden und die vollen Lacher durch den Raum tönen.
Kombiniert werden diese Lachübungen auch mit Körperübungen, zum Beispiel einem Händeklatschen oder Bodenstampfen, aber auch Yoga-Haltungen, was einerseits für den Körper als Bewegungsapparat selber von Vorteil ist, andererseits aber auch den Grad der Losgelöstheit steigert. Das losgelöste Bewegen verstärkt das Selbstvertrauen und das Wohlfühlen im eigenen Körper und ermöglicht vielen sich vorerst in der Gruppe und später im Alltag auch leichter zu präsentieren. Mit dem locker-werden kehrt auch das Lachen zurück.
Auch die Gefühlskontraste werden im Lachyoga genutzt, so werden in Übungen Lachen und Weinen abgelöst, wodurch sich leichter Mechanismen entdecken lassen, die eben jene Reflexe im Alltag auslösen.
Sind die Teilnehmer erst einmal gelöst und lachtechnisch aufgewärmt, geht Labi über zur Lachmeditation. Auch wenn dieses Wort erst befremdlich klingt, weil die Vorstellung zu meditieren und zu lachen widersprüchlich scheint, stellen sich in der Meditation gleiche Zustände wie bei bekannteren Techniken ein. Erst werde, so Labi, mit offenen Augen und durchaus im Blickkontakt mit anderen Teilnehmern versucht, ein grundloses Lachen zu erreichen, was sich leicht über die Vorstellung zum Beispiel einer beobachteten Gruppe einstellt, die man beim Lachen beobachtet, also jenem Ansteckungsprinzip folgt. Ist dieses Lachen nun endlich befreit, lässt Labi die Teilnehmer die Augen schließen, vielleicht sogar mit angewinkelten Beinen niederlegen, damit das Zwerchfeld entspannt bleiben kann und dieses Lachen wird mit Seufzen verbunden, wodurch eine vollkommene Entspannung unseres Atemmuskels, also dem Zwerchfell stattfindet.

Lachen als Prozess
Labi betont, Lachyoga muss man sich als Prozess vorstellen. Es kommt auf die Vorgeschichten und die Kombination der Teilnehmer an. Das Lachen werde aber mit jedem Mal leichter und erreiche schließlich jene Phase, indem es sich in den Alltag hinausträgt und eine gewisse Herzqualität und Freude wiederherstellt.
Kinder lachen um die 400 Mal täglich, Erwachsene um die 20 Mal. Rechnet man die Lacher weg, die nur automatisierte Reaktionen auf unser Gegenüber sind, sieht das Ergebnis ziemlich traurig aus. Ein Grund, um etwas mehr Freude ins Leben zu bringen und ein paar alte Dinge hinter uns zu lassen, die uns eben dieses herzhafte Lachen schwer machen.

Mag.a Verena Sternbach ist Psychologin und Personzentrierte Psychotherapeutin in 1060 Wien. www.psyonline.at/sternbach

Veni Labi ist Lachyogalehrerin, Nuad-Praktikerin und Lebens- und Sozialberaterin. www.flowyoga.at

Was passiert beim Lachen?
Das Lachen ist eigentlich eine besondere Form des Ausatmens, bei dem stoßweise und mit Schall untermauert die Atemluft aus den Lungen gepresst wird, worauf eine besonders tiefe, beschleunigte Einatmung folgt. Dabei werden auch die Gesichtsmuskeln bewegt.
Außer dem guten Gefühl währenddessen und nachher ist das Lachen gut für Lunge und Herz, die gestärkt werden und durch das tiefe Atmen besonders viel Sauerstoff aufnehmen und durch den Körper pumpen.
Biochemisch entwickeln Lachanfälle Killerzellen, die sich auf Viren und sonstiges Krankhaftes in unserem Organismus stürzen. Endorphine werden ausgeschüttet, die eben jenes gute Gefühl der Entspannung hinterlassen.

SPA WORLD Business, Ausgabe 6/2009

12.01.2010 08:05 Alter: 239 Tage